Geschichte

Die meisten heiligen Orte gehen auf eine Erscheinung, einen heiligen Menschen, ein Wunder zurück, finden dort ihren Ursprung. Ganz anders verhält es sich bei der Marienkapelle im Riet. Ihr Ursprung liegt in der Gegenwart; auf die Idee zum Bau kamen einige Männer und Frauen, die in der Fasnachtszeit in einer Wirtschaft zusammensassen und es feucht-fröhlich hatten. Doch gegen Mitternacht änderte sich der Gesprächsverlauf unvermutet. Man kam auf heilige Dinge zu sprechen. Ein Arzt sprach von einem Bildstock, den er seit langem stiften wollte; dann kam die Idee auf eine Erweiterung des Bildstockes – eben auf die Kapelle. Ein anwesender Bauer bot spontan Boden und genauen Standort an. Damit war der Grundstein gelegt. Einige Zeit geschah nichts, aber die Verwirklichung der Kapelle war nicht vergessen.

Es sollte ja ein Ort der Stille und der Ruhe werden, nicht im Dorfe, nein, fernab von Lärm und Verkehr.

1996 begann der Bau mit den üblichen Sitzungen, Verhandlungen, Eingaben an die Gemeinde, das Pfarramt, das Ordinariat in St. Gallen. Finanziell erschlossen sich Quellen: ein Bauer stiftete das Land, ein Architekt übernahm die Bauleitung um Gottes Lohn, der Arzt, seine Gattin und begeisterte Helferinnen und Helfer taten das Ihre, um die Kapelle zu verwirklichen. Stifter fanden sich, auch Reformierte taten mit. Der Verein Kapelle im Riet ward gegründet. Am 21. Juli 1999 durften sie das Glöcklein «Salve Regina» in den kleinen Turm hinaufziehen, und am

7. August 1999 weihte in einer tief bewegenden Feier Domdekan Markus Büchel, St. Gallen, die Marienkapelle ein. Eine Kapelle – ohne Vision erblüht?

 

Maria Knotenlöserin

Im kleinen Chor hängt das Bild der Gottesmutter, dargestellt als Maria Knotenlöserin. Das erstaunt sehr, ist Maria unter diesem Titel doch hier zu Lande fast unbekannt. Der Anstoss zu dieser Verehrung kam von einem befreundeten Pfarrer. Er wurde sofort aufgenommen und fand – nach Widerstand weniger Gläubiger – volle Aufnahme, ja stille Bewunderung. Interessant ist auch das Gnadenbild, eine feine Kopie des Urbildes, von einer bekannten Malschule in Florenz gefertigt. Dieses Urbild ist in der romanischen Kirche St. Peter am Perlach in Augsburg (am Rathausplatz) zu finden.
Ein unbekannter Künstler hat es um 1700 gemalt. Und was überrascht: Maria trägt kein Kind in den Händen; sie braucht diese, um Knoten, die sich in einem langen Seidenband befinden, zu lösen! Umgeben ist Maria von Engeln, sie steht auf der Mondsichel und zertritt der Schlange den Kopf. Am Bildrand unten eine kleine Reisegruppe auf dem Weg zur Kirche. Zu deuten als Erzengel Raphael, der den jungen Tobias zu dessen Frau Sara führt (vgl. Tobit 6, 13). Über allem schwebt der Heilige Geist, in dessen Liebe und Kraft Maria an uns wirkt.

Ich denke da an meine Kindheit. Wenn der Vater uns Kindern die Schuhe zu sehr geschnürt hatte, ging meine Schwester weinend zur Mutter. Sie löste den Knoten. Und wir Buben mühten uns, ärgerten uns, bis auch wir zur Mutter gingen! Ich glaube, ich brauche nicht viel über die Knoten zu sagen. Das Leben kennt sie reihenweise: Schwächen des Körpers, aber noch mehr des Geistes. Herz und Gemüt wollen frei sein, sind es aber oft nicht. Ich denke nur an das Verzeihen in der Ehe, das Stehen im Glauben, die Liebe in tausend Formen gelebt. Wie schwer tun wir uns darin, wie sind wir «verknotet». Wenn wir das aufliegende Buch mit den vielen Bitten an Maria lesen, dann entdecken wir die tausend Knoten, die das Leben uns schnürt. Kinder, Frauen und Männer, ältere Menschen kommen daher täglich in die Kapelle. Von nah und fern – aus der Ostschweiz, Liechtenstein, Vorarlberg, ja aus Übersee – finden sie sich ein. Und schon jetzt bezeugen Wallfahrer und Wallfahrerinnen, dass ihnen dicke Knoten gelöst wurden, ja, einzelne sprechen sogar von Wundern, weil sie keine Hoffnung mehr hatten, selber die Knoten zu lösen. Als Dank und Bitte zünden sie Kerzen an.

Im Jahre 2002 etwa 30 000. Oder spenden eine Gabe.
Ein ansehnlicher Betrag kann jedes Jahr als Knotenlöser in sozial ärmeren Ländern verwendet werden: da ist in Bolivien eine Sehschule zu unterstützen, in Rumänien ein Kinderheim …

Maria im Riet, Ort der Stille und Ruhe. Dazu tragen nach meinem Empfinden auch die Votivbilder vom Altstätter Kunstmaler Josef Ebnöther bei. Auf zehn Tafeln, die an den Wänden angebracht sind, nimmt er Begegnungen aus der Mariengeschichte und ihrem Wirken an uns Menschen zum Anlass. Wir begegnen ihr als Herzensmutter, Ort der Geborgenheit, als Wegbereiterin …

Maria im Riet, eine Kapelle, schön, schlicht und ergreifend im Ambiente. Das empfinden so manche, wenn sie den heiligen Ort verlassen, vielleicht draussen stehen und den Blick schweifen lassen über die Felder zu den Bergen. Sie wagen, das Leben neu anzupacken, denn eine starke Frau begleitet sie.

Gott lässt sich bei Menschen nieder, die schlicht, ohne viel Worte für ihn offen sind – auch in feuchtfröhlichen Stunden!

Pater Reinhard Mattle

Standort 

Die Kapelle liegt ungefähr in der Mitte von Oberriet und Altstätten SG im St. Galler Rheintal.

Weit draussen im Riet, umgeben von Wiesen und Äckern, einen Bauernhof in der Nähe. Gelegentlich stolpert man im Herbst über einen Maiskolben, Zeichen des Rheintals! Die Berge und Hügel des Appenzeller Landes und dem nahen Vorarlberg bilden eine würdige Kulisse. Ja – fürs Erste ist sie nicht leicht zu finden, aber sie sollte ja ein Ort der Stille und der Ruhe sein. Sie ist nicht gross, aber für einige Dutzend Beter und Bete- rinnen bietet sie Platz. Architekt Emanuel Stoffel hat sie gebaut, Josef Ebnöther künstlerisch gestaltet.

Spenden

Allfällige Spenden, können an folgendes Konto überwiesen werden:

CH43 0692 0026 4968 1000 0
Kapelle im Riet
Kapellweg
9463 Oberriet SG

Kontakt

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